Weigenheimer Rebsorten

  Weißweine

Silvaner: Diese angeblich aus Transsylvanien (Rumänien) stammende Rebsorte gelangte nach dem 30jährigen Krieg in die deutschen Gebiete. Erste Nachweise sind auf die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts zu datieren. Die erstmals führende Rebsorte in Deutschland wurde mittlerweile vom Müller-Thurgau von Platz 1 verdrängt, in den letzten Jahren  kommt es jedoch zu einer Renaissance dieser Rebsorte. Die Weine dieser Traditionsrebe sind einfach strukturierte, geschmacksneutrale und gefällige Tropfen. Die Säure liegt unter der des Rieslings und ist sehr bekömmlich.

 

Müller-Thurgau: Hier handelt es sich um die klassischste Form aller Neuzüchtungen ; sie wurde bereits 1882 von Professor Hermann Müller aus dem Thurgau (Schweiz) in Geisenheim aus Riesling und Silvaner gezüchtet. Zweifel an der Elternschaft dieser Rebsorten sind bis heute weder endgültig bestätigt noch wiederlegt, beeinträchtigen aber die weite Verbreitung in Deutschland nicht im geringsten. Bedingt durch die gute Fruchtbarkeit der Rebsorte sind leichte, relativ liebliche und in der Säure sehr milde Schoppenweine auf dem Markt. Man erkennt sie am feinen, nur selten stark ausgeprägten Muskatbukett. In den letzten Jahren kommt der Müller-Thurgau auch unter dem Namen Rivaner in geänderter Ausbauweise auf den Markt. Er  präsentiert sich jung, leicht, frisch und vor allen Dingen trocken ausgebaut. Beim Verkosten von Qualitäten oberhalb der Spätlese wird man feststellen, dass das "Negativimage" des Müller-Thurgaus unberechtigt ist.

 

Faberrebe: Georg Scheu züchtete diese Rebsorte in Alzey aus Weißburgunder und Müller-Thurgau. Der Name rührt von einem Winzer namens Schmitt (faber - Schmied) aus der Pfalz her, der wesentlich an dem Versuchsanbau beteiligt war. Die Weine präsentieren sich fruchtig und rassig mit einer guten Säure und einem leichten Muskatton; insbesondere im Spätlese bereich entfalten sie ihre volle Fülle.

Kerner:  Die 1930 aus dem blauen Trollinger und dem Riesling hervorgegangene Rebsorte wurde nach dem Weinsberger Arzt und Dichter Justinus Kerner (1786-1862) benannt. Da diese Sorte etwas früher reift als der Riesling, bringt sie oft Mostgewichte, die bis zu 10 °Oe  über denen des Rieslings liegen. Die Weine weisen ein deutlich fruchtiges Bukett auf, das entfernt an Muskat erinnert. Der Kerner ist unter allen Neuzüchtungen dem Riesling am ähnlichsten, seine Weine zeichnen sich durch eine mittlere Lagerfähigkeit aus, die aber eindeutig unter der des Rieslings liegt.

 

Riesling: Diese 1435 erstmals urkundlich erwähnte Rebe stellt unbestreitbar die wertvollste weiße Rebsorte dar. Es ist fraglich, ob sie mit römischen Rebsorten identisch ist oder aus der rheinischen Wildrebe hervorgegangen ist. Unklar ist auch, ob der Name von der rissigen Borke oder dem Verrieseln der Gescheine (- Nichtbefruchtung der Blüten) bei ungünstigem Blütewetter herrührt. Ein wesentliches Charakteristikum der Rieslingweine  ist die lebendige, rassige, kernige Säure, die im Gegensatz zu anderen Rebsorten fast nie grasig wirkt. Das vornehme, zurückhaltende Sortenbukett erinnert bei den fruchtigeren Typen leicht an Pfirsiche. Auf manchen Böden tritt dieses Bukett auch leicht ölig bis benzinartig auf, man spricht dann positiv vom sogenannten Petrolton. Während die Rieslingweine in mittleren bis geringeren Jahren einen anregenden, rassigen Tischwein abgeben, sind sie in guten Jahren immer harmonisch bis blumig. In großen Jahren und guten Weinbergeslagen bringen sie einen der weißen Spitzenweine der Welt hervor.

 

Bacchus: Die Rebsorte Bacchus ist eine Neuzüchtung, die aus einer Kreuzung der Eltern Silvaner x Riesling und Müller-Thurgau hervorgegangen ist . Die Weine sind  vorwiegend durch ihr an die Scheurebe erinnerndes Muskatbukett gekennzeichnet. Wie bei allen bukettierten Rebsorten kommt dieses Aroma insbesondere bei Weinen mit niedrigerem Mostgewicht zur Geltung. In solchen Fällen kann es unter Umständen aufdringlich oder sogar unangenehm werden. Wird der Bacchus jedoch bei höheren Mostgewichten (über 75 bis 80 °Oe) gelesen, bringt er körperreiche , extraktreiche Weine mit einem blumigen bis zarten Muskatton. Die Säure liegt im Mittelbereich und kann als feinrassig bezeichnet werden. Wie bei vielen Weinen mit niedrigerer Säure ist auch hier die Haltbarkeit begrenzt. Am besten trinkt man den Bacchus jung.


 

Traminer

Diese Rebsorte wurde vermutlich schon von den Römern am Rhein angebaut, sie könnte nach dem Dorf Tramin in Südtirol benannt sein. Der Traminer gehört zu den aromatischen Rebsorten, worauf auch der Zweitname Gewürz Traminer hinweist. Er duftet intensiv nach Rosen, mit unter auch nach Marzipan.

Die oft leicht rötlich gefärbten Trauben sind recht säurearm, bringen aber hohen Mostgewichte. Insbesondere in Bereichen über 90° Oe. gehören die Traminerweine zu den Spitzenweinen der Welt. Mann sollte die Weine jedoch nicht zu lange lagern, sondern sie relativ jung trinken. 

Rotweine

Dornfelder: Diese Neuzüchtung aus insgesamt 4 Rotweinsorten (Frühburgunder, Trollinger, Portugieser und Lemberger) ist eine der wenigen Sorten, die ein rotgefärbtes Fruchtfleisch besitzen. Man gewinnt hieraus fruchtige (Geruch nach Himbeer, Brombeer), volle, fast schwarzrote Weine. Die Rebsorte hat sich in den letzten Jahren vor allem in Rheinland Pfalz, Rheinhessen und Württemberg sehr stark durchgesetzt und ist die derzeit erfolgreichste Neuzüchtung. Sie eignet sich sehr gut zur Lagerung in Barriquefässern, wenn sie mit hohem Mostgewicht geerntet wird.

 

Schwarzriesling: Die Heimat der Müller-Rebe (so die korrekte Bezeichnung) liegt sicherlich im Burgund. Die Rebsorte kann als eine Mutation des blauen Spätburgunders betrachtet werden. Die Weine sind folglich geschmacklich auch dem blauen Spätburgunder sehr ähnlich, sie sind andererseits aber feinaromatischer und zarter.

 

Blauer Spätburgunder: Die Heimat dieser Rebsorte dürfte in Burgund liegen, wo sie vermutlich schon seit dem 4. Jahrhundert angebaut wurde. Von dort gelangte sie im 7. und 8. Jahrhundert an Rhein und Neckar, Karl III. lies diese Rebsorte 884 nach Chr. in der karolingischen Pfalz in Bodman am Bodensee anpflanzen. Ähnlich wie der Riesling unter den Weissweinen ist der Spätburgunder unter den Rotweinen die absolute Spitzenrebsorte. Sie bringt die besten Qualitäten hervor und ist deshalb auf der ganzen Welt verbreitet. Die Weine sind vollmundig, samtig, haben viel Körper und sind meist Alkoholreich. Das Bukett reicht von relativ neutral über einen feinen Bittermandelton bishin zu einer fruchtigen Version mit einem feinen, an Brombeeren oder auch Kirschen erinnernden Duft. Die heute Favorisierte Ausbaumethode verringert mit Hilfe der malolaktischen Gährung stark die Säure und macht den Spätburgunder zu einem idealen Wein für den Barriqueausbau. Die Lagerfähigkeit dieser Weine ist hervorragend.
Blauer Portigieser Wie bei vielen altbekannten Rebsorten ist auch hier die Herkunft unklar. Während manche Fachleute auf die Herkunft aus Portugal verweisen, halten andere hingegen das Donaugebiet bzw Niederösterreich oder Ungarn für die Heimat dieser Rebsorte. Sicher ist, das der blaue Portugieser, erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert verstärkt in Deutschland angebaut wurde Es werden grösstenteils hellrote, leichte Tischweine mit milder Säure geerntet. Das Bukett ist verhalten, fast neutral zu nennen. Wenn man den Portugieser in Spitzenlagen pflanzt und die Erntemenge stark reduziert, gewinnt man Weine, die durchaus an die Qualität eines Spätburgunders heranreichen können.